Biketour «Alpenarena»

Ab Falera ging's erst auf Asphalt hoch, später auf herrlichen Pfaden. Hier in der Nähe von «Tegai Sura» bei der Überquerung eines kleines Baches…

Nachdem ich samstags die tolle Prognose für den Sonntag gesehen hab, entschied ich mich gestern, wiedermal in die Höhe zu fahren. Es war endlich mal Zeit, ein paar Höhenmeter am Stück zu fahren und dies ist hier im «Flachland» einfach nicht möglich. Bald war klar, dass es Richtung Flims geht und die Webcams zeigten praktisch keinen Schnee mehr. Also auf GPS-Tracks eine Tour gesucht und mich für die «Alpenarena» entschieden.

Die Details zu dieser Tour werden auf «Garmin Connect» angezeigt - einfach klickenAm Samstag wurde es eher spät und somit war dann nichts mit früh losfahren und starten. Immerhin schaffte ich es auf den Mittag in Laax Murschetg (1’080m) anzukommen. Geparkt habe ich bei der Talstation, resp. im neuen Parkhaus des «Rocks». Alles eingepackt und wenig später war ich startklar um die Tour bei herrlichen Frühsommerbedingungen in Angriff zu nehmen. Aus dem Parkhaus raus, das GPS gestartet und dann wollte ich die Tour einblenden… Hm, warum kommt die verdammte Tour nicht? *grrr* Naja, ich wusste ja, dass ich einfach mal hoch zur Station Crap Sogn Gion (2’211m) musste. Also bin ich einfach mal losgefahren und entschied mich spontan, für den Weg der Seilbahn nach, nach oben.

Nach knapp 2 km Aufstieg zeigte der Wegweiser hoch zum Gipfel auf einmal wieder in die andere Richtung. Hm, nach kurzer Folge des neuen Weges erspähte ich einen herrlichen Trail der rechts wegführte und meiner Meinung nach relativ direkt hoch führt. Nur kurz überlegt und schon im kleinsten Gang mit ordentlicher Vorlage die ersten Meter darauf absolviert… Nein, dies kann nicht ein Weg für Biker sein – alles sumpfig, steil und einfach kein wirklich vorwärts kommen. Ok, ich geb auf und kehre zurück zur Schotterstrasse.

Nach einigem Herumdrücken auf dem GPS schaffte ich es, dass der geladene Trail erschien. Der Wegweiser hatte Recht, ich muss weiter Richtung Falera und somit eigentlich weg vom Blick auf den Gipfel. Der Schotterweg führte mich mit ordentlich Speed nach Falera (1’210m) wo dann der Anstieg quasi begann. Anfangs auf einem teerten Strässchen, später auf einem ordentlichen Schotterweg ging’s im Zick-Zack Höhenmeter für Höhenmeter hoch. Zwischendurch gab’s mal einen tollen Trail über Wurzeln und quer durch’s Grün, welche die Strecke ein wenig abkürzte.

Der Blick auf die bekannte Station auf dem Crap Sogn Gion (2’211m) war nun wieder möglich, die Richtung stimmte. Der erste Gang war nun stets mein Favorit und ich kämpfte mich die teilweise steilen Rampen hoch auf dem Schotter. Die Oberschenkel brannten, doch ab der Alp Dado (2’030m) war ich nur noch motiviert vom ersten Etappenziel und zog’s die letzten Höhenmeter durch und war glücklich, als ich endlich oben angekommen war.

Drei Wanderer sassen bereits in der im Winter überfüllten Arena mit der Bar auf bei der Station Grap Sogn Gion. Eine kurze Runde mit dem Bike dadurch, kurz angehalten, abgelegen und das herrliche Wetter während der kurzen Erholung genossen. Mein Weg führte aber noch weiter, weiter nach oben. So setzte ich mich wieder aufs Bike und strampelte die nächsten Höhenmeter hoch, erst mal zum eigentlichen Grab Sogn Gion auf 2’284m. Beim der Sesselliftstation war ich beeindruckt, wie viel Schnee vom Jump-Park am Hang noch vorhanden war – gigantische Schneeberge. Ein relativ breiter Schotterweg, der jedoch durch die Schneeschmelze ziemlich sumpfig war, führte mich zum Gipfel und der künstlerischen schwarzen Kugel auf der Krete. Ein paar Fotos gemacht und den Ausblick nach La Siala und runter nach Plaun genossen.

Der höchste Punkt der Tour liegt auf 2’516m mit dem Grap Masegn. Dazwischen liegt noch die Station Grap Masegn mit 2’470m, welche nun ‚bestiegen‘ werden musste. Der Schotterweg führte mich durch Schneefelder durch bis zur steilen Rampe hoch zur Station. Wow, was für eine Steigung, doch wollte ich nicht vom Sattel… Tja, Wunschdenken. Kurz vor der Station ging es einfach nicht mehr – zu steil war mein Fazit als just in dem Moment zwei Downhiller den Hang runter krachten… Shit, warum muss ich da hoch fragte ich mich. Oben angekommen, dachte ich eigentlich, dass ich es nun quasi geschafft habe, der eigentliche Gipfel ist ja nur noch wenig höher. Als ich oben stand, sah ich aber, dass es erst wieder runter ging… Ich war nach dem Aufstieg gerade ein wenig am Anschlag und so gab’s da oben eine kurze Erholungspause, ein quasi Gipfelfoto und einfach den Ausblick geniessen…

Einige Zeit später führte mich ein schöner Trail von der verlassenen Station Richtung Grap Masegn. Hinunter war ich technisch gefordert, hatte aber richtig Spass. Auf einmal drehte es dann aber, ein erneuter Aufstieg stand an. Der eigentliche Bergwanderweg war nur schwer auszumachen. Dazu kam, dass er quasi so steil hoch führte, wie man gar nicht fahren kann. Ich versuchte es somit auf der Grasseite des Anstiegs… Die war so hügelig und mit Schmelzwasser getränkt, dass ich das Bike schulterte und irgendwie ganz langsam meinen Weg nach oben suchte. War das ein Kampf. Einige Zeit und viele Schweisstropfen später war’s geschafft, ich war oben, auf 2’516m. Ein herrlicher Blick auf die «Alpenarena», den Gletscherhang des Vorab.

Ein Wanderer kam gerade von der anderen Seite hoch, schaute mich erst verdutzt an und sprach mich später an: «Hallo, wo willst du denn mit dem Bike hin?». Shit, ich kam mir hier oben ja auch ein wenig deplatziert vor ;-) Ich erklärte ihm, wo mich mein weiterer Weg durchführen soll. Er meinte, dass es Richtung Nagens sehr viele grosse Schneefelder habe, die nicht fahrbar seien und schon zum Durchlaufen nicht einfach, wegen den Bächen darunter und dem teilweise durchstampfen des Schnees. Die eigentliche Herausforderung lauere aber nur wenig Meter vom jetzigen Standort entfernt. Hier geht’s steil abwärts, er musste quasi schon fast hochklettern…

Ich liess mich von meinem Vorhaben nicht abhalten. Wir schwatzten noch ein wenig, dann verabschiedeten wir und ich machte mich an den Abstieg. Shit, seine Worte habe ich erst jetzt so richtig verstanden. Von einem Weg kann man nicht mehr sprechen. Der eigentliche Trail ist nicht fahr- und mit dem Bike auch nicht stossbar: Zu eng, zu steil. Ich entschied mich ein wenig weg vom Weg runter zu klettern. Bereits nach den ersten Schritten surfte ich quasi auf losen Steil die ersten 10 Meter runter. Uff, zum Glück nichts weiter passiert. Es war eine Qual, vor allem da ich das doofe Bike noch tragen musste… Schrittchenweise ging es runter, mal mit Halt, mal einfach nur rutschend. Schliesslich war der kräfteraubende Abstieg geschafft, ich befand mich bei der Fuocla Da Sagogn auf 2’383m. Ein Blick zurück auf den Grap Masegn beeindruckte. Wer auch immer die Tour so plante, dieser Gipfel macht mit dem Bike eigentlich absolut keinen Sinn und wenn, dann höchstens in der Gegenrichtung.

Mein Blick folgte dem herrlichen Trail Richtung Nagens, doch waren nun auch die riesigen Schneefelder zu sehen, welche wohl häufig den Trail verdeckten. Umkehren war keine Alternative, als ich musste ich da durch.

Bis zur Hütte «Camona Vorab» war es ein zähes Stück. Immer wieder konnte ich mal kurz fahren, doch meist schob ich das Bike oder ich trug es gar auf dem Rücken. Die Wiesen waren total hügelig, gespickt von Löchern und Spalten. Ein Fahren da meist unmöglich. Die Schneefelder musste klug umlaufen werden, nicht immer fand ich direkt zurück auf den eigentlichen Weg. Oft trat ich in der Wiese in tiefe, mit Schmelzwasser gefüllte Löcher. Barfuss wäre wohl besser gewesen als mit den Bikeschuhen. Spannend wurde es immer, wenn ich mich entschied, ein Schneefeld zu durchqueren. Das Mehrgewicht durch das Bike führte ein paar Mal dazu, dass ich einbrach und teilweise auch hier, mich gleich in einem kleinen Bach unterhalb der Schneedecke wiederfand. Zum Glück war das Wetter so herrlich und die Temperaturen schon fast sommerlich warm.

Es gelang mir schliess zur Hütte zu kommen – wie alle, war auch diese noch geschlossen. Hunger hatte ich aber auch nicht und so zog es mich gleich weiter auf diesem nicht wirklich biketauglichen Terrain. Ab der Talstation des La Siala Sessellifts im Winter, kam ich endlich auf einen groben Schotterweg und somit konnte ich wohl nach gut 2 Stunden Bike tragen wiedermal so richtig strampeln… Unzählige Murmeli begleiteten mich auf dem Abschnitt hier hin, ihr Pfeifen stets zu hören und auch immer wieder schauten sie mir zu oder suchten ihr nächstes Versteck als ich kam.

Die Hütte bei Camona da Nagens (2’127m) war bald erreicht, der Schnee nun überstanden eigentlich sollte es jetzt nur noch runter gehen. Alternativ gab’s noch die Route über den Grauberg, doch hiesse dies erst nochmals hoch und vor allem kannte ich diese schon. Als entschied ich mich, direkt runter zu fahren und erst mal den Wiesenhang wo im Winter eine Piste liegt, runter zu fahren. Ein herrlicher Trail war durch den Hang gezogen, mit viel Speed und Spass ging’s runter.
Oberhalb des Wasserspeichers führte der Trail dann nochmals steil nach oben. Er wurde schmal und vor allem durch den groben, losen Schotter für mich nicht mehr fahrbar. Erneut hiess es schieben. Ein kleines Labyrinth, welches mich hin und her führte, immer wieder quer durch Büsche knapp an der Krete vorbei. Ich fluchte oft, da der Weg so schmal war, dass ich beim Stossen stets die Pedale an den Knöchel schlug *grrr*. Auch dieser Anstieg war aber mal geschafft. Der Trail wurde aber nicht besser. Nach einem ersten Versuch auf dem schmalen Trail zu fahren und einem Faststurz durch den groben Schotter, entschied ich mich, auch den ersten Teil des Abstiegs doch eher zu Fuss zu absolvieren. Entschädigt wurde ich wenig später, als der Trail in den Wald führte und zu einem echten Wurzeltrail mutierte. Wunschterrain für meine Twentyniner! Wow, einfach der Hammer – das Grinsen kehrte in mein Gesicht zurück und verdrängte die Strapazen bis hier hin. Ab nun ging es etwa 700 Höhenmeter runter bis zur Talstation in Flims. Manchmal durch den Wald, mal wieder auf breiteren Schotterwegen und immer wieder auf tollen Trails der Skipiste entlang. Einfach traumhaft und Lohn genug für das, was vorher war. Viel zu schnell war ich unten, das Adrenalin sorgte dafür, dass ich gar keine Pause mehr wollte, sondern einfach nur Geniessen!

Uff, endlich am Ziel! Fast. Ich musste nun ja wieder zurück nach Laax Murschetg. Aber dies war dann ein gemütliches Ausfahren und wenig später war ich auch schon zurück beim Ausgangspunkt der heutigen Tour.

Mein Fazit: Eine traumhafte, geniale Tour. Vielleicht noch ein bisschen zu früh, wenn die Schneefelder wirklich weg sind, die Wiesen trockener, ist der Spass noch ein Stück grösser, die Strapazen vor allem geringer. Der Crap Masegn macht aber aus meiner Sicht mit dem Bike null Sinn, den könnte man aber bestimmt irgendwie umfahren. Wer die Herausforderung sucht, soll aber da ruhig auch drüber ;-) Meine Alpensaison ist somit eröffnet und ich freu mich, bald wieder in den wirklich Bergen zu sein…

Info gps-tracks.com

Ein Gedanke zu „Biketour «Alpenarena»“

  1. Das hört sich nach einem echten Stück Arbeit an! Ich bin da immer vorsichtig mir den Internet-Tracks und schaue mich immer nach Zweit- und Drittmeinungen um. Aber die Erlebnisse bleiben ja so oder so…

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