Biketour «Basso di Indemini»

Nach dem Start beim Bahnhof in Vira (200m) ging es bald den alten Saumweg hoch zum «Monte Ceneri» (550m). Der Aufstieg war ziemlich steil und der Untergrund mit den Holpersteinen und dem Laub eine Herausforderung für Mann und «Maschine»... [Nikon D90 mit Tokina AT-X 124 AF PRO DX, 12-24mm, f/4]

Gestern ging’s nach genug Schlaf, einem reichhaltigen Frühstück im Hotel mit Sicht auf den blauen Himmel und die Sonne über Locarno, wieder auf eine Tour, welche mich auf GPS-Tracks.com angesprochen hatte. Diesmal auf die andere Seite von Locarno.

Gestartet bin ich beim Bahnhof Vira auf 200m, gleich am Lago Maggiore. Kurz vor Mittag war’s doch noch recht kühl und so kamen mir die ersten flachen Kilometer gerade recht um mich ein wenig aufwärmen zu können. Schon nach wenigen Kilometern war der Spass aber vorbei und es ging auf dem alten Saumweg hoch zum «Monte Ceneri» (554m). Die Höhenmeter auf der kurzen Strecke waren das Eine, das Andere war, dass es ich dabei um einen mit Maroni und Laub übersäten Holperweg handelte. Eine wirkliche Herausforderung um da hoch zukommen und ab und zu drehten einfach nur die Räder durch, entsprechend war auch mal Schieben angesagt.…

Danach ging’s auf einem Schotterweg die nächsten steilen Kilometer hoch bis nach «Corte di Sopra» (1’520m) gleich bei der «Alpa Foppa». Schweisstreibend und eigentlich immer im 2. Gang unterwegs ging’s meist in den warmen Sonnenstrahlen da hoch – die ersten 1’000 Höhenmeter sind also geschafft, doch der Gipfel noch weit entfernt. Also genoss ich erstmal die Aussicht, Mario Botta’s Kirche «Santa Maria degli Angioli», ruhte mich aus und stärkte mich im Restaurant.

Wieder erholt und mit neuen Kräften versehen ging’s weiter nach oben zum Sendemasten auf 1’860m und somit nochmals 340 Meter hoch. Dieser Teil war extrem kräftezerrend und teilweise auf Grund der grossen Steine sowie Wasserrinnen für mich praktisch nicht fahrbar – also schieben! Bei der Berghütte «Capanna Monte Tamaro» hatte es dann noch einige Wanderer welche sich draussen verpflegten. In einem kurzen Gespräch und dem Genuss der Aussicht teilten sie mir mit, dass ich «spinne» mit dem Bike hier hoch zu kommen *grins* Naja, immerhin konnte ich bald runterfahren und musste nicht laufen ;-)

091016_bassa-di-indemini_map_klNun ging’s auf fahrbaren und fordernden Trails am «Motto Rotando» vorbei bis zu einer Wegverzweigung, wo ich staunte, da waren doch noch 4 – 5 andere Biker vor Ort und einer gerade seine Mahlzeit am Kochen. Die anderen gingen zu Fuss auf den «Monte Tamaro» (1’962m) um die angeblich traumhafte Aussicht zu geniessen. Ich entschied mich aber, diese Kräfte zu sparen und sogleich links weg zu fahren auf die Singletrails Richtung Italien und so den Wanderern aus dem Weg zu gehen. Teilweise konnte ich die Trails nicht fahren, da es einfach zu steinig war, respektive ich und mein 100mm-Fully am Anschlag waren, da der Kettenkranz paar Mal aufschlug. Mehrheitlich ging’s aber und war echt spektakulär! So flog ich quasi am «Basso di Indemini» vorbei, welcher der Tour offiziell den Namen gibt.

Nun folgte ein Traumtrail quer durch Büsche und Wiesen, stets fahrbar, aber benötigte die ständige Konzentration. Bei der Alpe di Montoia» (1’633m) gab’s dann eine Pause für mich und das Bike. Auf steinigem Trail, auch oft wieder zu Fuss, ging’s zum Dörfchen «Monti Idacca» wo ich endlich wieder mal auf Asphalt kam. Nun hiess es Kilometer bolzen durch die typischen Dörfchen und die gute Strasse zu nutzen, etwas an Zeit aufzuholen, welche beim Laufen verloren ging. Nach einigen Kilometern in hohem Tempo wurde mit «Indemini» das letzte Tessiner Dorf durchfahren und sogleich war ich auf italienischem Gebiet: Ciao Italia!

Vor lauter Schuss verpasste ich in «Biegno» (900m) die Abzweigung und musste dann wieder zurück als ich dies nach 1 – 2 Kilometer bemerkte auf dem GPS. Ach, wäre lieber vorbei gefahren. Der Abzweiger führte wieder hinauf und dies auf holprigen Waldwegen, die mir vor allem durch die Steilheit in Erinnerung bleiben. In «Cangili» (1’140m), ein typisches Bergdörfchen mit Steinhäusern, hoffte ich, die Höhenmeter endlich hinter mir zu haben und wollte nur noch abwärts! Ganz geschafft war’s noch nicht, doch die nächsten wenige Höhenmeter verteilten sich auf eine längere Strecke und so empfand ich’s nun schon fast gemütlich. Den «Monti Sirti» auf gut fahrbaren Pfaden umfahren ging’s später durch «Monti di Pino» (900m) langsam abwärts.

Im Tourenplan wo ich die Tour fand, warnte man vor dem Downhill und dass dies nur was für sehr geübte Biker sei. Hm, ich fragte mich immer, wann den diese Abfahrt kommt? Und auf einmal war sie da: Es ging wirklich steil bergab auf Schotterpfaden, mit viel Laub und Kastanien, die Sonnen im Gegenlicht blenden… Die teilweise über 30%-Gefälle (!) forderten alle Konzentration und Kräfte. Mein Hinter war stets wenig über dem Hinterrad positioniert um den Überschlag zu verhindern. Die Bremsen rochen bereits vor Wärme und ein wirkliches Anhalten war bei dem Gefälle gar nicht möglich – Wow! So was hatte ich noch nie erlebt und war dann froh im Grenzdorf «Dirinella» heil angekommen zu sein. 700 Höhenmeter wurde in nicht mal 3 Kilometer vernichtet!

Schnell durch den Zoll und dann ausschnaufen und auf der asphaltierten Strasse dem Lago Maggiore nach Richtung Bahnhof Vira. Uff, geschafft! Und dann dies: Nun stellte ich fest, dass mein Vorderreifen auch noch Luft verlieren und bis alles eingeladen war in’s Auto, war dieser auch schon platt… In meinen letzten Biker-Jahren hatte ich noch nie einen Plattfuss auf einer Tour und nun gleich zwei innert zwei Tagen? Hm…

Ich kann die Tour jedem nur empfehlen, der sich auch nicht scheut das Bike ab und zu zu schieben. Alles ist garantiert nie und nimmer fahrbar, aber schlimm ist’s nicht. Noch die Werte der Tour: 55.3 km, 2’403 Höhenmeter und 7:05h war meine Fahrzeit. Die Aussicht entschädigt stets für die Strapazen! Im Herbst sind die laubbedeckten Pfade mit Vorsicht zu befahren, immer wieder gibt’s Überraschungen in Form von Steinen oder feuchten Wurzeln auf die man gefasst sein muss. Viel Spass!

Ein Gedanke zu „Biketour «Basso di Indemini»“

  1. So, dann hast du den Downhill überlebt. Ich hatte dich ja auch gewarnt. Plötzlich ist er da:) Hey, das sind tolle Fotos. Aber an der Zeit müssen wir noch arbeiten. Das Potential ist noch da. Also bis bald und Gruss

    Der Trainer

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